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Forstliche Kulturlandschaft ade ? - Zwischen Holzplantage und Waldwildnis

Pro Silva Sommergespräche 2022

24. August bis 26. August 2022, Region Steirische Eisenwurzen und Almtal (OÖ)

Nachbericht 2022

Bei den Pro Silva-Sommergesprächen 2022 sollte am Beispiel der naturräumlichen Kulisse der Region Steirische Eisenwurzen ein thematischer Bogen gespannt werden von der ehemals maßlosen Übernutzung der Waldressourcen in der Zeit der intensiven Eisenverarbeitung bis in das 18. Jahrhundert hin zu aktuellen Richtungsentscheidungen zwischen neuer Holzknappheit und aktuell verstärkten Rufen nach Wildnis und weiteren Außer-Nutzung-Stellung von Wäldern.  

Einen Eindruck über die historische Waldnutzung vermittelte ein Rundgang durch das Forstmuseum Silvanum in Großreifling, welches in einem alten Getreidespeicher untergebracht ist. Zuvor Stand die Besichtigung des bekannten kleinflächigen Douglasienbestandes nahe Großreifling am Programm, welcher vor mehr als 100 Jahren als Aufforstungsversuch begründet wurde und nunmehr angesichts des beachtlichen Vorrates von 2500 Vfm/ha als „massenreichster Waldbestand Österreichs“ bezeichnet wird. Demnach kann auf ausgewählten kalkfreien Braunlehmstandorten in den Kalkalpen mit Douglasie das Baumartenspektrum erweitert werden.

Beim Abendvortrag trug Referentin Pia Mayer-Gampe, Sprecherin der Initiative FAUN – Naturschutz integrativ, Bayern, den Zugang der Waldnutzung aus ethnologischer Sicht vor. Während sich heute der Mensch in „modernen“ Industriegesellschaften gerne selbst in den Mittelpunkt seines Denkens und Handelns stellt und die umgebende Biosphäre als „seine Umwelt“ bezeichnet, so könnte es auch ein „integratives Miteinandern“ von Mensch und Wald geben. Die Wurzeln der „kulturbasierten Koexistenz“ von Mensch und Wald lägen demnach wesentlich weiter in der Vergangenheit als die „akademische Definition“ der Nachhaltigkeit seitens Carl v. Carlowitz zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Statt großflächiger Waldwildnisgebiete tritt FAUN vielmehr für gut ausgesuchte Trittsteinbiotope kombiniert mit naturnaher Waldwirtschaft zur Förderung der Wald-Biodiversität und Sicherstellung der vielfältigen Waldfunktionen ein.

Am zweiten Tag ging es in den Wald der Familie Göschl in Gams bei Hieflau, wo seit nunmehr mehreren Jahrzehnten die durchaus intensive Waldbewirtschaftung mit weitgehend natürlicher Verjüngung praktiziert wird. Die hohe Nutzungsintensität wird hier als laufende Abschöpfung des Zuwachses verstanden. „Wir leben vom Zuwachs und nicht vom Vorrat“ zitierte Rainer Göschl sen. einen bekannten Spruch aus der „Szene“. „Verbiss und Borkenkäfer seien allerdings massiv begrenzende Faktoren, welche eine ständige Herausforderung darstellten“ betonte Göschl jun., der gemeinsam mit seinem Sohn den betrieblichen Weg der kontinuierlichen Waldnutzung fortsetzt.

Im Rahmen des Waldbeganges gab es überdies ein Statement über das Resynat-Projekt von Pro Silva und BFW anhand der vor Ort eingerichteten Fläche. Ferner wurde an einem Haltepunkt die neue Waldtypisierung des Landes Steiermark vorgestellt. Aktuelle Fakten und Studie zum Thema „Arten- und Klimaschutz durch Wald“ waren Inhalt eines Statements von Franz Reiterer. Schließlich wurde von Stefan Kirchweger die LTSER-Forschungsplattform (Langzeitökosystemforschung Modellregion Eisenwurzen des Umweltbundesamtes) vorgestellt.  

Eine verkleinerte Abordnung folgte schließlich am 3. Tag der Einladung von Fritz Wolf in die Waldschule Almtal zu einem kleinen „Silvasophikum“. „Vergangenheit zu kennen hilft, Zukunft zu meistern“ war dabei eine der Kernaussagen.

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