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Das Forstgut Pichl

  • Größe: 350 ha
  • Lage: Seehöhe 580–1010 m, Wuchsgebiet 3.1 (Östliche Zwischenalpen-Nord)
  • Geologie: Pretuler Orthogneise mit Quarzphyllitbändern, sandiges Verwitterungsmaterial - Erosionsgefährdung
  • Klima: Jahresniederschlag 750–870 mm, mittlere Hangneigung 43 %
  • Natürliche Waldgesellschaft: Fichten-Tannen-Buchen-Wälder, ergänzt durch Lärche, Kiefer sowie Schluchtwälder mit Esche, Ulme, Bergahorn
  • Erschließung: 22.000 lfm LKW-befahrbare Forststraßen, mittlere Aufschließung 65 lfm/ha
  • Technik: Seilkrananlage K300, Schlepper (Welte W130, Linder Geotrac 104, Steyr 4130), diverse Seilwinden, Krananhänger Stepa 10 H, 100 lfm LOG-LINE

Betriebskennzahlen:

  • Mittlerer Vorrat: 437 vfm/ha
  • Mittlerer Zuwachs: 7,4 vfm/ha/Jahr
  • Mittlere Umtriebszeit: 100–120 Jahre
  • Hiebssatz: ca. 2.500 Efm/Jahr

Dauerwaldumbau in Fichten-Lärchen-Kiefernbeständen

Waldumbau im Lehrforst der FAST Pichl (Mürztal)

Freitag, 03.Oktober 2025 – 9:00 bis 13:00 Uhr, Forstliche Ausbildungsstätte Pichl
Exkursion im Wald der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl
Referenten: DI Martin Krondorfer (Leiter FAST Pichl), Ing. Andreas Jäger (Förster Forstgut Pichl), DI Florian Hechenblaikner (Referent LK Steiermark)

Die diesjährige steirische Regionaltagung führte zur Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl, der einzigen forstlichen Ausbildungsstätte der Steiermark. Sie wurde 1947 von der Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft gegründet und dient seither als zentrale Institution für die Ausbil-dung forstliche Fachkräfte. Das Forstgut Pichl umfasst ca. 350 ha. Neben der Ausbildung werden auch zunehmend Aufgaben im Bereich der Forschung erfüllt. Vor allem die waldökolo-gische Basisinventarisierungen, welche zur Aufgabe hatte, die Biodiversität in bewirtschafteten Wäldern näher zu beleuchten, war ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre.

Bei traumhaften, herbstlichen Bedingungen nahmen 29 Teilnehmer an der diesjährigen steirischen Regionaltagung teil. Zu Beginn führten uns Martin Krondorfer (Leiter der Fast Pichl) und der zuständige Förster Andreas Jäger in einen Bestand im Alter von ca. 25 Jahren (Bestockungsgrad 0,9). Dieser befindet sich auf einer Seehöhe von rund 620 Metern bei einer Hangneigung von etwa 15 % und östlicher Exposition. Die Baumartenverteilung zeigt einen deutlichen Nadelholzschwerpunkt mit 60 % Fichte, ergänzt durch 30 % Bergahorn und 10 % Esche. Zusätzlich sind vereinzelt Douglasie, Roteiche, Kirsche, Schwarznuss, Birken sowie Hasel beigemischt, was die Baumartendiversität erhöht. Die natürliche Waldgesellschaft entspricht einem feuchten Bergahorn-Eschenwald, der für diesen Standort typisch ist. Die Bestandesentwicklung ist durch eine Altholzräumung im Winter 2000 geprägt, bei der ein Fichten-Lärchen-Bestand geerntet wurde. Anschließend erfolgte die Aufforstung mit Mischbaumarten, wobei Laubholz in Trupps (3–5 Bäume pro Trupp, Abstand 8–10 m) und Fichte (1,5 x 1,5 m) eingebracht wurden. Zur frühen Stabilisierung wurden zwei Läuterungen durchgeführt, die sich vor allem auf das Nadelholz konzentrierten. In der Gruppe wurde erörtert, dass die die Einbringung von Mischbaumarten einen positiven Beitrag zur Biodiversität und Bestandesstabilität brachte und die Anpassungsfähigkeit an zukünftige klimatische Veränderungen potenziell erhöht wurde. Allerdings ist der Pflegeaufwand aufgrund der unterschiedlichen Baumarten und Pflanzsysteme erheblich. Zudem bleibt der Konkurrenzdruck durch die Fichte bestehen, was eine kontinuierliche waldbauliche Steuerung erforderlich macht. Eine Überführung in dauerwaldartige Strukturen scheint aus derzeitiger Sicht in den nächsten 50 Jahren als realistisch. 

Der zweite Exkursionspunkt brachte uns auf einer Seehöhe von etwa 620 Metern bei einer Hangneigung von rund 25 % und ist östlich exponiert. Der Bestand weist ein Alter von 95 Jahren auf und stockt mit einem Vorrat von rund 650 Vfm bei einem Bestockungsgrad von 0,8. Die Baumartenzusammensetzung ist stark von der Fichte geprägt (95%). Ergänzend finden sich 5 % Lärche sowie vereinzelt Rotbuche, Weißkiefer und Zitterpappel. Die Naturverjüngung zeigt eine positive Entwicklung in Richtung Mischwald: Neben Fichte treten Tanne, Rotbuche, Birke und Roteiche auf. Diese Entwicklung wird durch waldbauliche Maßnahmen unterstützt. Durch wiederkehrende Niederdurchforstungen und Negativauslese konnte Naturverjüngung flächendeckend eingeleitet werden. Zusätzlich wurden Weißtanne und Rotbuche in Horsten eingebracht, um die Baumartenvielfalt zu erhöhen und die Durchmischung des Bestandes zu fördern. Es wurde festgehalten, dass der nach wie vor hohe und relativ instabile Fichtenanteil ein erhebliches Risiko darstellt, insbesondere im Hinblick auf Windwurf und Borkenkäferbefall. Die vorhandene Naturverjüngung sowie die gezielte Einbringung von Mischbaumarten sind jedoch vielversprechende Schritte hin zu einer stabileren und ökologisch wertvolleren Bestandesstruktur. Mit der stockenden Verjüngung können Dauerwaldstrukturen in den kommenden Jahrzenten angestrebt werden.  

Der dritte Exkursionspunkt ist ein Südhang auf einer Seehöhe von rund 900 Metern bei einer ausgeprägten Hangneigung von etwa 40 %. Der Bestand im Jungwuchsstadium weist ein Alter von bis zu fünf Jahren auf. Die Baumartenzusammensetzung umfasst Fichte, Schwarzkiefer und Buche, ergänzt durch einzelne Tannen und Lärchen. Die Bestandesgeschichte ist durch ein gravierendes Schadereignis geprägt: Ab dem Jahr 2020 kam es zu einem großflächigen Absterben von Fichte und Lärche, voraussichtlich durch Aluminiumfreisetzung und anschließendem Feinwurzelsterben. Eine umfassende Aufforstung war erforderlich. Dabei wurden Buchen in Horsten, teils mit Kalkung, sowie Schwarzkiefern in Zellen eingebracht. Zusätzlich wurde Tanne eingebracht, um die zukünftige Bestandesstruktur zu stabilisieren. Eine Besonderheit dieser Fläche ist die Anlage von Versuchsparzellen zur Kalkung mit Magnesiumkalk (Mg30), um den Einfluss auf den Boden-pH-Wert und die Vegetationsentwicklung zu untersuchen. Die Entwicklung des Jungwuchses wird durch starken Hasenverbiss erheblich beeinträchtigt, wodurch die Höhenentwicklung der Buche nicht repräsentativ ist. In der gemeinsamen Bewertung der Fläche zeigte sich, dass die Kalkung leichte Unterschiede in der Vegetationszusammensetzung bewirkte, der Verbiss jedoch als limitierender Faktor die Erfolgsaussichten der Aufforstung deutlich einschränkt. Die Schwarzkiefer erweist sich als interessante Alternative zur Fichte, wobei die Herkunft sorgfältig gewählt werden muss, um eine standortgerechte Anpassung sicherzustellen.

Der vierte und letzte Exkursionspunkt liegt südöstlich exponiert auf einer Seehöhe von etwa 900 Metern bei einer Hangneigung von rund 25 %. Der Bestand weist ein Alter zwischen 90 und 170 Jahren auf. mit einem Vorrat von rund 640 Vorratsfestmetern und einem Bestockungsgrad von 0,85. Die Baumartenzusammensetzung wird von der Fichte mit etwa 70 % dominiert, ergänzt durch 20 % Lärche und 10 % Weißkiefer. Vereinzelt treten Tanne und Rot-buche hinzu, was eine gewisse Strukturvielfalt schafft. Die Bewirtschaftung erfolgt seit 1996 nach dem Dauerwaldprinzip, das auf eine kontinuierliche Nutzung und die Entwicklung un-gleichaltriger Bestände abzielt. In diesem Zeitraum wurden drei Ernteeingriffe durchgeführt, wobei jeweils nur 10% des Vorrats entnommen wurde. Die Entnahme konzentrierte sich dabei auf wenig vitale Individuen in der vorherrschenden und herrschenden Schicht. Seit 2002 wurde kontinuierlich Weißtanne untergebaut. Auch das gezielte Belassen von stehendem und liegendem Totholz wird auf der Fläche forciert, um die Biodiversität und wichtige ökologische Funktionen zu fördern. Das langfristige Ziel ist die Entwicklung einer dauerwaldartigen Struk-tur, bei der ein Vorrat von etwa 600 Vorratsfestmetern pro Hektar erhalten bleibt. In der gemeinsamen Diskussion wurde erörtert, dass die Dauerwaldstrategie eine hohe Bestandesstabilität und Biodiversität begünstigt und das Risiko großflächiger Schadereignisse deutlich re-duziert. Die gezielte Förderung der Weißtanne ist sinnvoll, da sie als klimastabile Baumart gilt und die Anpassungsfähigkeit des Bestandes an zukünftige Bedingungen verbessert.

Beim gemeinsamen Mittagessen in der Forstlichen Ausbildungsstätte waren sich alle einig: es war ein lehrreicher Tag mit vielen Eindrücken. Die Forstliche Ausbildungsstätte Pichl zeigt beispielhaft, wie praxisnahe Ausbildung, Forschung und naturnahe Waldbewirtschaftung kombiniert werden können. Die Exkursionspunkte verdeutlichten die Spannbreite forstlicher Herausforderungen – von der Kalamitätsfläche bis hin zur dauerwaldartigen Bewirtschaftung. Ein Dank gilt Martin Krondorfer (Leitung) und Andreas Jäger (Förster) für die fachliche Begleitung der Exkursion. 

Bericht und Fotos: Florian Hechenblaikner

Veranstaltungsanmeldung

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