










Das Wildnisgebiet Dürrenstein und der Nationalpark Kalkalpen sind zwei sehr waldreiche Schutzgebiete in denen zu einer Vielzahl an Themen geforscht wird. Das kommende Sommergespräch soll dem Wissenstransfer von der Naturwaldforschung in die Praxis der Dauerwaldbewirtschaftung dienen.
Donnerstag, 28. August 2025 - Kirchenwirt Großraming, 19:00
Fachvortrag und Diskussion von und mit Reinhard Pekny (Wildnisgebiet Dürrenstein) „Impulse aus der Urwaldforschung für die Dauerwaldbewirtschaftung“.
Reinhard Pekny ist Forstmann, Wildbiologe, Jäger und Teichwirt mit Berufserfahrung auf verschiedenen Kontinenten. Er ist seit 1997 im Wildnisgebiet tätig. Als Ranger ist er sowohl für das Naturraummanagement, als auch für Bildungsaufgaben verantwortlich.
Weitere Information: https://www.wildnisgebiet.at/
Ein Artikel von Robert Spannlang | 31.08.2025 - 17:28
Was macht den Urwald so besonders? Und warum sollten wir den einzigen echten Urwald in Österreich um jeden Preis erhalten? Im Rahmen der traditionellen Sommergespräche bot der Vortrag des Wildbiologen und Naturraummanagers im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal, Reinhard Pekny, einige Impulse für Dauerwaldmodelle.
„Wildnis kann entstehen, Urwald leider nicht“, hielt Reinhard Pekny am Beginn seines Auftritts fest. Etwa 45 Teilnehmer:innen waren der Einladung von Pro Silva Österreich nach Großraming gefolgt, um aus der langjährigen Naturwald-Erfahrung des Forstmannes für ihre eigene Waldbewirtschaftung zu profitieren. Bis spät in die Nacht hinein referierte und diskutierte Reinhard Pekny mit den Anwesenden über den enormen Wert des Mykorhizza-Netzwerkes, der für alle Waldbäume über Wohl und Wehe entscheidet. Er deutete darauf hin, dass der Naturwald ein „Weltmeister in der Wasserretention“ sei, weil die Mächtigkeit des organischen Bodens, die durchschnittlich 700 km Mykorhizza-Mycel, die naturbelassene Waldböden pro Quadratmeter aufwiesen und die enorme Menge an Totholz das Wasser wie kein andere Bodenausstattung am Standort halte.
Doch manches sei auch in Dürrenstein unwiederbringlich: „Ich sehe viele Eibenstöcke, die vor Jahrhunderten durch rigorose Nutzung der Eibe entstanden – vor allem wegen der unerreichten Dauerhaftigkeit ihres Holzes und dessen begehrten Eigenschaften für den Bau von Bögen, aber auch, um Weidevieh gefahrlos im Wald weiden lassen zu können. Heute fehlt sie als ideale Baumart im Unterbestand.“ Es gäbe zwar Eibenkeimlinge, sie verschwänden aber auf mysteriöse Weise. Das sei Gegenstand aktueller Forschung. Sein Credo – „Sein lassen – Zeit lassen – zulassen“ – kann auch ein Leitsatz für aktuelle Waldbewirtschaftung sein.
Fachvortrag und Diskussion „IMPULSE AUS DER URWALDFORSCHUNG FÜR DIE DAUERWALDBEWIRTSCHAFTUNG“
Reinhard Peckny (Wildnisgebiet Dürrenstein)
Nach der Vorstellung des Wildnisgebietes mit dem größten Urwald Rothwald präsentierte Peckny die Auswirkungen des Klimawandels, die natürlich auch dieses Gebiet treffen. Weitere Schwerpunkte des Referates waren:
Dem sehr umfassenden und spannenden Vortrag folgte eine rege Diskussion mit dem auch in nicht forstlichen Themen belesenen Reinhard Peckny.
Besichtigung verschiedener Waldflächen im Nationalpark Kalkalpen
DI Josef Forstinger (Direktor, Nationalpark Kalkalpen)
DI Johann Kammleitner (Leiter, ÖBF Nationalparkbetrieb Kalkalpen)
DI Christian Fuxjäger (Schutzgüter- und Artenprogramme, Schalenwildmanagement, Nationalpark Kalkalpen)
Der NP Kalkalpen wurde 1997 gegründet und umfasst rund 21.000 Hektar. Durch die große Fläche und der Seehöhe von 380 – 1963m sind sehr unterschiedliche Waldgesellschaften und Baumarten im Park vertreten. Ziel des Nationalparks ist der Prozessschutz. Lediglich 21% sind Managmentfläche (Borkenkäfermanagement, Jagd, Almwirtschaft). Die Exkursion führte uns von einer Klause bis zu ehemaligen Borkenkäferfläche und streifte vielfältige Themen.
Besichtigung der Ökologischen Langzeitforschung Zöbelboden
Mag. Dr. Thomas Dirnböck (Umweltbundesamt)
Die Ökosystem- und Luftgütebeobachtung am Zöbelboden im NP Kalkalpen liefert seit mehr als einem Viertel Jahrhundert Daten zu Folgen und Erfolgen der Luftreinhaltung. Mit der Weiterentwicklung des Standortes zu einem der bestausgerüsteten Forschungsstandorte für ökologische Langzeitforschung (LTER) in Österreich wurden in den letzten Jahren neue Akzente gesetzt. Stand zu Beginn des Monitorings am Zöbelboden in den 1990er Jahren der Kampf gegen das Waldsterben im Vordergrund, lag der Fokus schon im letzten Jahrzehnt zunehmend auf dem Einfluss des Klimawandels. Durch die Untersuchungen am Zöbelboden zu Stoff- und Energiehaushalt im Waldökosystem, sowie zur Wirkung von klimatischen Extremereignissen gewann der Standort über die vergangenen Jahre zunehmend an Attraktivität für die Forschung.
Die Erforschung des Kohlenstoffhaushaltes ist ein neues Betätigungsfeld, ist aber sehr schwierig zu erfassen. Laut Aussage von Dirnböck ist die Dauerwaldbewirtschaftung die beste Maßnahme um eine hohe Kohlenstoffspeicherung zu erreichen. Faszinierend war, was und wie auf dieser Fläche alles erforscht wird. Die Intensivforschungsflächen können gar nur auf Stegen betreten werden. Aber auch das umfassende, detailreiche Wissen von Thomas Dirnböck beeindruckte.
Nach Wunsch von vielen Teilnehmern Flächen zu besichtigen, die schon lange nicht mehr bewirtschaftet werden, erfolgte umgehend die Einladung des NP-Direktors dazu. Diese Einladung werden wir sicher dankend annehmen.
Ein umfassender Bericht zum Sommergespräch erschien in der Forstzeitung 11/2025.
Bericht: Stephan Rechberger / Fotos: Eckart Senitza