










Andreas Schreyer hat die Inhalte unserer Exkursion und die Leitilinien des von ihm initiierten Waldumbaus in einem umfangfangreichen Artikel in der Forstzeitung beschrieben. Wir freuen uns Ihnen hier den gesamten Artikel zum Nachlesen anzubieten:
Am Freitag, dem 10.10.2025, fand im Betriebsgebiet der herzoglichen Familienstiftung Sachsen-Coburg und Gotha die oberösterreichische Regionaltagung von Pro Silva Austria statt. Knapp 60 Interessierte trafen sich bei dem ehemaligen Forsthaus Ruben im sehr fichtenreichen oberen Mühlviertel ein.
Diplom Forstwirt Andreas Schreyer verantwortet seit über zwei Jahren, die österreichischen Flächen der herzoglichen Familienstiftung Sachsen-Coburg und Gotha. Er stellte den Betrieb vor, bevor die Exkursionsgruppe zu den sehr abwechslungsreichen Exkursionspunkten im Wald aufgebrochen ist. Bei den Waldflächen handelt es sich um mehrere tausend Hektar im oberen Mühlviertel, in Oberösterreich und im Karwendeltal in Tirol.
Das Betriebsgebiet der FV Greinburg in OÖ liegt zwischen 230 m Seehöhe in Grein und ca. 1.100 m Seehöhe im Raum Liebenau. Die mittlere Seehöhe beträgt ca. 800 m. Die Durchschnittstemperatur beträgt derzeit in Grein ca. 8,5°C, in Liebenau dagegen nur ca. 4,8°C. Die Durchschnittsmenge an Niederschlag beträgt ca. 900 mm/Jahr. Die Inventur aus dem Jahr 2015 weist nachfolgende Baumartenverteilung von ca. 92% Fichte, 4% Buche und Bergahorn, 3% Tanne und 1% Lärche und Kiefer aus. Der hohe Fichtenanteil ist in erster Linie auf die jahrzehntelange, teils großflächige Kahlschlagwirtschaft bis in die 50er Jahre (Trift bis 1938, russische Besatzungszeit) zurückzuführen, wodurch die Mischbaumarten Buche, Tanne, Bergahorn weitgehend verschwunden sind.
Die ersten beiden Exkursionspunkte führten vor Augen, wie der Forstbetrieb bisher als Fichtenaltersklassenwald bewirtschaftet worden ist. Das alte Konzept startete mit einer flächigen Nutzung des Altbestandes unabhängig, ob die Fläche verjüngt oder nicht verjüngt war. Nach einer mehrjährigen Schlagruhe wurde die Fläche für die Fichtenaufforstung „vorbereitet“. Teilweise wurden neben den vorwüchsigen Fichten sogar die Mischbaumarten vor der Pflanzung entfernt. Nachdem 1600 bis 1700 Stück Fichten im Pflanzverband 2,5m * 2,5m gesetzt worden sind, erfolgte nach einer Jungbestandspflege (Stammzahlreduktion (NVJ)) eine starke Erstdurchforstung. Nach einer weiteren Durchforstung wurde oftmals schon die Verjüngung im Rahmen einer starken Vorlichtung eingeleitet und dann als letzte Massnahme der gesamte Restbestand genutzt .
Der Betrieb arbeitet seitdem auf eine möglichst naturnahe und klimafitte Waldgesellschaft hin. Alle Maßnahmen sind darauf gerichtet dauerwaldartige Strukturen zu schaffen. Zur Erreichung dieses Zieles, wird gänzlich auf Kahlschläge, Flächen-Räumung, systematische Stammzahlreduktion oder Pestizideinsatz verzichtet. Gezielte Eingriffe sollen die horizontale- und vertikale Struktur verbessern, wobei kleinflächige, kaum sichtbare Eingriffe bevorzugt vorgenommen werden und große „Natur-Beunruhigung“ vermieden werden soll. Diese „neue“ Bewirtschaftungsform der kleinflächigen Verjüngungseinleitung wurde im nächsten Bestand vorgestellt. Dort wo in der Vergangenheit der gesamte Altbestand geräumt worden wäre, steht jetzt ein zweischichtiger Fichtenaltholzbestand mit einer heranwachsenden Verjüngung bzw. zweiten Schicht. Ganz wichtig hierbei ist, dass die Massnahmen nicht schirmschlagartig, sondern schlitzartig durchgeführt werden. Einerseits wird der Altbestand somit nicht mehr als unnötig destabilisiert und andererseits kann sich die ankommende Fichtennaturverjüngung aufgrund der unterschiedlichen Belichtungsverhältnisse nicht auf der gesamten Fläche gleichmässig etablieren.
Gleichzeitig werden vorkommende Laubbaumarten und die Tanne durch gezielte Eingriffe unterstützt. Bäume aller Altersklassen sollen v.a. durch Naturverjüngung, Entfernen von Bedrängern und die Schaffung von Lichtschächten gestärkt werden. Bei einem so hohen Anteil von ca. 95% Fichte ist es jedoch unumgänglich die gewünschten Mischbaumarten künstlich einzubringen. Auf der nächsten Fläche wurde im Herbst 2024 die Tanne trupp- bis gruppenweise eingebracht (ca. 500 Stück/ha). Es entfachte sich unter den Exkursionsteilnehmern eine rege Diskussion bezüglich der Notwendigen den bestehenden Altbestandes vor der Pflanzung vor - oder danach nachzulichten, um die Tannen Verjüngung zu fördern.
Zur Verbesserung der horizontalen und vertikalen Struktur sollten auch schon früh in den Durchforstungsbeständen die hierfür notwendigen Massnahmen gesetzt werden. Neben den ca. 100 Z1 Bäumen (Abstand 8 bis 12m) sollten in der Strukturdurchforstung weitere Z2 und Z3 Bäume ausgezeigt werden. Dieser Erstversuch im Betrieb wurde bereits durchgeführt, wo auch die Notwendigkeit eines weiteren Rückegassenabstandes als bisher 20m erkaannt wurde. Bei der Neuanlage von Rückegassen sit zukünftig ein Mindestabstand von 25m verpflichtend, idealerweise sogar 30m vorgesehen. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sollte daher Maßnahmen zur Minimierung der Bodenverdichtung priorisieren.
Damit sich der Mischungsanteil der unterschiedlichen Baumarten schneller erhöht, werden zusätzlich heimische und zukunftsfähige Baumarten unterstützend gepflanzt. Das Artenspektrum reicht von Rotbuche, Berg-Ahorn, Weiß-Tanne, Lärche, Schwarz-Kiefer, Weiß-Kiefer, Trauben-Eiche bis hin zu Esskastanie, Roteiche, Riesentanne, Türkische-Tanne, Douglasie, Dreh-Kiefer, Orient-Buche.
Die Fichte ist zwar die dominierende Baumart, fungiert jedoch nicht länger als alleinige Leitbaumart; ihre Bestandeserneuerung soll zukünftig primär durch Naturverjüngung erfolgen. Das Ziel ist es, durch die angeführten Maßnahmen den Mischbaum-Anteil der nächsten Baumgeneration auf 20% bis 25% zu steigern. Das letzte Exkursionsbild zeigte eine kleine „Naturwaldzelle“ aus einem 150 jährigen Bu - Fi – Ta Wald mit flächiger Naturverjüngung. Alle Teilnehmer waren beeindruckt von dem natürliche Potential inmitten der Fichtenreinbestände.
Kurzfassung des Artikels aus der Forstzeitung von Andreas Schreyer (8.12.2025) (Überarbeitung Eckart Senitza)