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Einleitungsstatement Dr. Johannes Schima

Aus österreichischer Sicht ist festzuhalten, dass sich in Anbetracht des Langfristziels der Wiederherstellungsverordnung 90% der Lebensraumgruppen in guten Zustand zu bringen, die die FFH-Waldlebensraumtypen bereits heute zu 93% einen guten Zustand aufweisen. Offenbar leistet die nachhaltige, kleinstrukturierte Forstbewirtschaftung einen wesentlichen Beitrag zur hohen Biodiversität. Die Zielsetzungen der EU-Biodiversitätsstrategie und der Wiederherstellungsverordnung werden grundsätzlich begrüßt. Es bedarf jedoch für deren erfolgreiche Umsetzung praxistauglicher Ausführungsbestimmungen, realistischer Zeitrahmen sowie einer angemessenen finanziellen Mitverantwortung der Europäischen Union. Gleichzeitig sind sozioökonomische Auswirkungen auf Land- und Forstwirtschaft sowie den ländlichen Raum stärker zu berücksichtigen und Partizipation der Bewirtschaftungsberechtigten noch besser zu verankern. Zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen sind klare, faktenbasierte Baselines und Indikatoren unter Berücksichtigung bereits erbrachter Vorleistungen der Mitgliedstaaten erforderlich. Nur durch diesen abgestimmten Ansatz kann der Brückenschlag zwischen rechtlichem Anspruch und praktischer Umsetzung nachhaltig gelingen.
 

"EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur: Rückenwind für den Dauerwald?“

Online - Diskussion (Zoom)

Donnerstag, 19. März 2026, 18:00 - 20:00, 6. ProSilva - Online Diskussion

Nachlese zum Wald-Web-Talk

Hier können Sie die Präsentationen von Prof. Georg Gratzer und Dr. Johannes Schima/Dr. Gyula Kovác laden, und wir präsentieren auch einen kurzen Bericht von DI Thomas Ölz. Vielen Dank für Eure Beiträge !

download der Präsentation von Prof. Georg Gratzer download der Präsentation von Dr. Johannes Schima & Dr. Gyula Kovác

Blick nach Vorne zeigt Chancen auf

Falsch: rückwärtsgerichtet Sichtweise

Im jährliche „Web Online Talk“ von Pro Silva Austria gings heuer am 19. März um die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. Grundsätzlich sieht man wenig Konfliktpunkte mit den Prinzipien in der naturnahen Dauerwaldbewirtschaftung und man möchte sich konstruktiv einbringen und mitgestalten.

93 Prozent in einem guten Zustand!

Zuerst wurde von Dr. Johannes Schima vom Bundesministerium schon ziemlich scharf die Kommunikation der EU kritisiert, in der von 80% der Lebensraumtypen in einem schlechten Zustand gesprochen wird. Das ergibt ein völlig falsches Bild. Die Berechnungsmethoden sind sehr fragwürdig („one out, all out“) und die Prozentzahl bezieht sich auf die Anzahl der Lebensraumtypen und nicht auf die betroffene Waldfläche. Wenn die Fläche herangezogen wird, sind heute bereits 93% der Wald-Lebensraumtypen in einem guten Zustand. Bis 2030 müssen österreichweit umgerechnet „nur“ 9.800 Hektar renaturiert werden (30% der ungenügenden Zustandsflächen). 

Dynamische Entwicklung und Anpassungsprozesse zulassen

Die größte Kritik an der Verordnung liegt aber in der statischen Sichtweise auf die Waldökosysteme. Unsere Wälder entwickeln sich sehr dynamisch und insbesondere im Klimawandel mit einer hohen Geschwindigkeit in der Verschiebung der Baumgarnituren aber auch aller anderen Standortsfaktoren. Dipl.-Forstw. Daniel Kraus von der Arbeitsgemeinschaft naturnahe Waldwirtschaft in Bayern fragt sich in diesem Zusammenhang, welche Lebensraumtypen wollen wir wo in welchen Zustand wieder herstellen. Dass dies im Klimawandel gar nicht geht, wird jedem klar, wenn wir nach Verordnung auch die verschwindenden Gletscherlebensraumtypen renaturieren müssten. Prof. Georg Gratzer vom Institut für Waldökologie an der Boku brachte als Beispiel aus einer aktuellen Studie, dass bei einem 4 Grad plus Szenario im sommerwarmen Osten Österreich waldfreie Klimate entstehen werden mit Temperaturen, wie wir es heute in Apulien oder Nordafrika haben. Wie soll da Renaturierung stattfinden?

Resilienzfähigkeit als wichtiges Kriterium

Als sehr wichtiges Kriterium - auch viel wichtiger wie die CO2 Speicherungsfähigkeit der Wälder – wird die Resilienzfähigkeit der Wälder gesehen. Die Dauerwaldbewirtschaftung erfüllt diese Fähigkeit in hohem Maße. Wälder in naturnahen und damit auch resilienten Zustand zu bringen, wird auf jeden Fall unterstützt. Anpassungsprozesse müssen zugelassen werden und im Renaturierungsprozess berücksichtigt werden. Letztlich ist ein guter Zustand einer, in dem die Wälder stabil und klimaresilient sind.

Auch im Hinblick auf die derzeitig drohenden Bürokratieauflagen bei der EU-Entwaldungsverordnung (=es gibt keine Entwaldung in Österreich) besteht natürlich eine große Sorge, dass es auch bei der Renaturierungsverordnung zu hohen Bürokratieauflagen und Nachweispflichten kommen können. Das muss in einem vernünftigen praktikablen Ausmaß bleiben, gerade in Bezug auf die Besitzkleinststrukturen bei der Dauerwaldbewirtschaftungen wie in den Plenterwälder in Vorarlberg.

Indikatorenfairness und Finanzierung nicht geklärt

Als eher humorlos und knochentrocken werden von Johannes Schima die notwendigen nächsten Schritte mit der Vorlage eines Wiederherstellungsentwurfes bis September 2026 gesehen. Größere Probleme machen noch die Referenz- und Zielwerte bei den verschiedenen Indikatoren, die einen Aufwärtstrend haben sollen, bis ein zufriedenstellender Referenzwert erreicht wird. Wir haben in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern bereits sehr gute Werte, Damit müssen aus Fairnessgründen auch Zielwerte unter den heutigen Werten erlaubt werden. Völlig ungelöst sind auch die Finanzierungsfragen bis zu der Frage, dass eigentlich nicht nur in Sanierungen viel Geld fließen soll, sondern auch Waldbesitzer:innen Abgeltungen bekommen sollen, die bereits im Sinne der „Renaturierung“ ihre Flächen bewirtschaften.

Der Vorsitzende von PRO Silva Austria Dr. Eckart Senitza zeigte sich in seinem Resümee sehr zufrieden über die fachlich hochstehende Diskussion im gewählten online „Web-Talk“-Format. Er betonte nochmals die hohe Bedeutung der Strukturen im Aufbau der Wälder, die eigentlich noch wichtiger wie ein möglichst vielseitige Baumartenspektrum sind. Statische Festhalten an Vergangenen ist stark in Frage zu stellen. Wir leben in Anpassung und können diese steuern.

Thomas Ölz, Bregenz 26.03.2026 (Vorarlberger Waldzeitung)

Themen und Fragen

Im August 2024 trat die EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur (engl. „Nature Restoration Law“) in Kraft. Die Mitgliedsstaaten haben bis September 2026 Zeit, einen konkreten Plan vorzulegen, um die Verordnung umzusetzen. Doch wie betrifft dieser Plan österreichische Waldbewirtschaftende?

Für Pro Silva Austria und seine Mitglieder ist die Verordnung von besonderer Brisanz, da die geforderten Wiederherstellungsmaßnahmen sich mit den Grundsätzen zur naturnahen Waldbewirtschaftung decken: Der Aufbau ungleichaltriger Wälder, die Anreicherung von Totholz sowie die Förderung heimischer Artenvielfalt und die Erhöhung von Kohlenstoffspeichen werden nun auch per Verordnung eingefordert.

Um zu klären, wo und in welchem Umfang die Verordnung in Österreich tatsächlich greifen soll, laden wir Sie herzlich zu unserer 6. Auflage unseres erfolgreichen Online-Formates des “Wald-Web-Talks" ein. Im Anschluss an die Impulsstatements aus Wissenschaft, Forstpolitik und Praxis öffnen wir die Runde für eine gemeinsame Diskussion. (Mathias Leiter)

Impulse zur Diskussion

Prof. Dr. Georg Gratzer

Georg Gratzer ist seit 2024 Professor für Bergwaldökologie am Institut für Waldökologie an der BOKU in Wien. Sein großes wissenschaftliches Anliegen ist der Erhalt und die Restaurierung montaner und alpiner Waldökosysteme, die durch den Klimawandel immer stärker bedroht werden. Seit 2009 leitet er den Masterstudiengang Mountain Forestry, der Masterstudierende aus der ganzen Welt zusammenbringt. Gratzers Forschungsinteresse gilt vor allem der Verjüngungsökologie von Bäumen in den Ökosystemen der Bergwälder mit dem Thema, wie sich die Samenproduktion von Waldbäumen im Laufe der Zeit verändert und welche Faktoren diese Veränderungen antreiben.

Seine Forschungsschwerpunkte sind Waldökosystemdynamik; Störungsökologie, Verjüngungsökologie von Waldbäumen; Nachhaltige Nutzung von Waldressourcen; Nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs). Er ist wissenschaftlicher Beirat im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal.
 

Dr. Johannes Schima

Johannes Schima, Dr. Dipl.-Ing. leitet die Abteilung für Waldschutz, Waldentwicklung und forstliche Förderung im Bundesministerium und ist stellvertretender Leiter der Sektion Forstwirtschaft. Seit über 20 Jahren verantwortet er zentrale Agenden der österreichischen Forstpolitik und ist zentral in die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung in Österreich eingebunden
 

Dr. Gyula Kovác

Gyula Kovacs ist Mitarbeiter der Abteilung für Waldschutz, Waldentwicklung und forstliche Förderung im Bundesministerium, wo er sich mit der forstlichen Planung der Wiederherstellungsverordnung befasst. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am BFW, davor am ungarischen Forstwissenschaftlichen Institut. Seine Hauptforschungsgebiete sind Wildeinfluss, Dauerwald, Naturschutz sowie Ornithologie.Studium in Sopron. 

 

Daniel Kraus

Dipl.-Forstw. Daniel Kraus ist seit 2025 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Bayern als Nachfolger von Prof. Manfred Schölch. Seit 2024 Leiter des Universitätsforstamt Sailershausen der Universität Würzburg. Der Forstwissenschaftler war zuvor langjähriger Projektleiter am European Forest Institute mit Fokus auf naturschutz-integrative Bewirtschaftung (2011-2017) und als Berater in Südamerika aktiv. Danach Praxiserfahrung bei den Bayerischen Staatsforsten Forstamt Neureichenau und Ebrach (2027-2019), sowie Forstbetriebsleiter FB Nordhalben (2019-2024). Er bringt weitreichende Erfahrung in der Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und praktischem Waldmanagement ein.
 

Diskussion

Nach dem Vortrag und den Impulsen der 4 Referenten werden wir unter der Moderation von Mathias Leiter im Forum eine offene Diskussion führen und Fragen an die Statementgeber richten.

Konzept: Eckart Senitza 

Veranstaltungsanmeldung

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